Andreas Michael Meier
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„Bahnschalter-Aus erreicht Bundesbern“

11. Oktober 2026

Literaturtage Zofingen 2026 mit Tschechien als Gastland

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Ausnahmsweise von rechts nach links: Katja Fusek (Schriftstellerin), Andreas Meier (Nationalrat), Tomáš Jan Podivínský (Tschechischer Botschafter in Bern) und André Kirchhofer (Stadtpräsident Zofingen) mit Begleitung. Foto: Melanie Hadam

Andreas Meier hielt auf Einladung eine Rede zur Eröffnung der Literaturtage im Rathaus Zofingen:

Sehr geehrter Herr Botschafter
Sehr geehrter Herr Stadtpräsident
Liebe Freundinnen und Freunde der Literatur

Wenn ein Winzer zu Literaturtagen eingeladen wird, beginnt das mit einem kleinen sprachlichen Missverständnis.

Eine Lese ist für mich normalerweise etwas, das im Rebberg stattfindet.

Wir wählen aus, was gereift ist, bringen es in den Keller – und hoffen, dass daraus etwas Gutes entsteht. Vielleicht ist der Weg zu einem guten Buch gar nicht so verschieden.

Ich habe früher viele Bücher gelesen. Heute lese ich jeden Tag sehr viel – Berichte, Zeitungen, Botschaften, Vorlagen und Akten. Aber für Bücher bleibt weniger Zeit.

Ein Buch verlangt etwas, das ich ihm heute viel zu selten gebe: ungeteilte Zeit.

Und trotzdem weiss ich, was Bücher vermögen. In schwierigeren Zeiten meines Lebens waren sie für mich wichtig. Gute Biografien haben mich später auch in meiner politischen Arbeit inspiriert.

Dass Tschechien dieses Jahr Gastland der Literaturtage ist, freut mich besonders. Erst letzte Woche war Tschechien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Unter dem bemerkenswerten Motto «Tschechien – ein Land an der Küste».

Geografisch ist das natürlich Unsinn. Aber Shakespeare hat Böhmen schon vor über 400 Jahren ans Meer versetzt.

Literatur darf eben etwas, was wir Politiker nicht können: Sie darf die Wirklichkeit neu erfinden.

Tschechien hat auch erlebt, dass Literatur weit mehr sein kann als Unterhaltung.

Ich denke an Václav Havel: Schriftsteller, Dissident und später Präsident seines Landes. Noch im Kalten Krieg wurden Bücher verboten, Texte konfisziert und Autoren zum Schweigen gebracht.

Wer Bücher verbietet, fürchtet nicht das Papier. Er fürchtet die Gedanken darin.

Erst gestern habe ich mit der Direktorin des Bundesamtes für Kultur über die nächste Kulturbotschaft gesprochen. Wir haben darüber diskutiert, was unsere Gesellschaft in einer Zeit zusammenhält, in der so viele Kräfte auseinanderstreben.

Und dabei spielt die Literatur eine besondere Rolle. Bücher lassen uns die Welt mit den Augen anderer Menschen sehen. Sie erzählen von anderen Lebenswelten, Überzeugungen und Erfahrungen. Manchmal helfen sie uns, gerade jene Menschen besser zu verstehen, mit denen wir nicht einverstanden sind.

Wir sprechen heute viel über die Sicherheit unseres Landes. Über Armee, Energieversorgung und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit. Das ist wichtig.

Aber eine Gesellschaft braucht nicht nur die Mittel, sich zu verteidigen. Sie braucht auch etwas, das es wert ist, gemeinsam verteidigt zu werden.

Dazu gehören die Freiheit des Wortes, unsere Geschichten und die Fähigkeit, einander zuzuhören.

In der Bildungskommission des Nationalrates beschäftigen wir uns mit der Kulturförderung des Bundes. Dabei geht es um Beiträge und Rahmenbedingungen. Aber letztlich geht es auch darum, dass Bücher geschrieben, übersetzt, gelesen und diskutiert werden können.

Politik kann Literatur nicht verordnen. Aber sie kann dafür sorgen, dass Literatur ihren Platz in unserer Gesellschaft behält.

Und genau dazu leisten die Literaturtage Zofingen einen wertvollen Beitrag.

Ich wünsche unseren Gästen aus Tschechien und uns allen wunderbare Literaturtage, anregende Begegnungen und Gedanken, die über diese Tage hinaus weiterwirken.

Und wenn Sie mir als Winzer diese Formulierung erlauben:

Eine ausgezeichnete Lese und einen grossartigen Jahrgang 2026!

Andreas Meier im Rathaus Zofingen. Foto: Melanie Hadam

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