
„Die Mitte zwischen Ferien- und Arbeitszeiten“
14. August 2026Das historische Kaiserhaus an der Marktgasse 37 gehört seit den 1970ern der Schweizer Nationalbank (SNB). Es beherbergte früher das Warenhaus der Handelsfamilie Kaiser. Inzwischen ist es umfassend saniert worden und vereint heutzutage Gastronomie, lokale Geschäfte und kulturelle Erlebnisse unter einem Dach.
Ein Beitrag der Zeitung Die Botschaft. Hier weiterlesen…
Moneyverse – eine neue, interaktive Ausstellung
Im Kaiserhaus hat die SNB einen Lernort initiiert und am 10. April 2026 eröffnet, in Partnerschaft mit dem Bernischen Historischen Museum, das für die wissenschaftliche Kuratierung, Vermittlung und den Betrieb zuständig ist.
Es handelt sich dabei nicht um ein klassisches Museum, sondern um eine vierstöckige interaktive Erlebniswelt, die Geld aus vier Perspektiven beleuchtet: historisch, wirtschaftlich, sozial und persönlich. In den Räumen «Das Phänomen Geld» und «Geldwerkstatt» begegnen Besuchende Fragen wie: Was haben Nylonstrümpfe, Kaurimuscheln und ein Kerbholz gemeinsam? Im Ausstellungsbereich «Geld und ich» teilen Menschen ihre persönliche Beziehung zu Geld und erzählen Geschichten über finanzielle Unabhängigkeit, Armut, Glück und Reichtum.
Das «Leitzins-Cockpit» ist eines der Highlights, in dem man in die Rolle von SNB-Präsident Martin Schlegel schlüpfen und selbst am Leitzins-Hebel ziehen kann, um live die Auswirkungen auf Kreditkosten, Inflation und Wirtschaftswachstum zu sehen. In der «Money Bar» im Bereich «Geld und wir» können Gastgeber alkoholfreie «Cashless-Coladas» oder «Cryptopolitans» mixen und zu Diskussionen über Geldthemen einladen.
Hauptauftrag: Sicherung der geld- und währungspolitischen Stabilität
Gemäss Bundesverfassung (Artikel 99) und Nationalbankgesetz führt die SNB die Geld- und Währungspolitik «im Gesamtinteresse des Landes». Das oberste Ziel ist die Preisstabilität, wobei sie dabei der konjunkturellen Entwicklung Rechnung trägt.
Die SNB legt den Leitzins fest, mit dem sie die Kreditkosten, die Inflation und indirekt das Wirtschaftswachstum beeinflusst. Ein höherer Leitzins verteuert Kredite und bremst die Inflation, ein tieferer Leitzins wirkt umgekehrt stimulierend.
Die SNB hat das alleinige Recht, Banknoten auszugeben (die Münzprägung liegt beim Bund/Swissmint). Sie sorgt dafür, dass genügend Bargeld in guter Qualität im Umlauf ist.
Sie erleichtert und überwacht den bargeldlosen Zahlungsverkehr, unter anderem über das Swiss Interbank Clearing (SIC)-System, über das der Grossteil der Schweizer Zahlungen zwischen Banken abgewickelt wird.
Die SNB verwaltet die Devisenreserven der Schweiz (unter anderem Fremdwährungen, Gold). Diese Reserven dienen dem Vertrauen in den Franken und der geldpolitischen Handlungsfähigkeit.
Die SNB überwacht Risiken für die Finanzstabilität, insbesondere bei systemrelevanten Banken (zum Beispiel im Kontext der Credit-Suisse-Krise 2023), und kann als «Lender of Last Resort» fungieren, also Banken in Notlagen mit Liquidität versorgen.
Sie vertritt die Schweiz in internationalen Währungs- und Finanzfragen und arbeitet mit anderen Zentralbanken und internationalen Organisationen (zum Beispiel IWF oder BIZ) zusammen.
Die SNB ist in der Ausübung ihrer geldpolitischen Aufgaben unabhängig von Bundesrat und Parlament – das soll verhindern, dass die Geldpolitik kurzfristigen politischen Interessen unterworfen wird. Gleichzeitig muss sie dem Parlament jährlich Bericht erstatten.
Schlag auf Schlag geht es weiter
Nach kurzer Mittagspause trafen die Zurzibieter auf Nationalrat Andreas Meier, der gerade aus einer Differenzbereinigungskonferenz gekommen war. Er begrüsste seine Gäste herzlich und begann ohne grosse Umschweife die Architektur des Bundeshauses zu erklären, die voller politischer Botschaften steckt: Das Bundeshaus (fertiggestellt 1902) ist voller Symbolik: die Kuppel mit dem Sternenhimmel, die Fresken zu Tell und dem Rütlischwur, die Darstellung der drei Sprachregionen, das Wappen aller Kantone. Das Gebäude selbst erzählt die Geschichte des schweizerischen Bundesstaats und seines Selbstverständnisses.
Nach der abschliessenden Sicherheitskontrolle stiegen die Besucher ins Hochparterre hinauf und passierten so die aus Fotos und Berichten bekannten Orte. Andreas Meier verstand es meisterlich, alle diese Orte mit Anekdoten und Geschichten zu verbinden, sodass man sich in vielen Fällen selbst einen Reim aus dem machen konnte, was geschehen und was dann in den Medien daraus entstanden war.
Immer wieder musste man feststellen, wie wichtig eine unabhängige und allparteiliche Berichterstattung über das Geschehen ist, wie wichtig eine freie, unabhängige und vielfältige Presselandschaft ist, denn der Stimmbürger ist darauf angewiesen, dass fair und ohne Polemik berichtet wird.
Direkte Demokratie erleben, statt nur darüber abzustimmen
Als Stimmbürger entscheidet man mehrmals im Jahr über Vorlagen, Initiativen und Referenden – aber die wenigsten sehen je den Ort, an dem diese Vorlagen debattiert, ausgearbeitet und schliesslich zur Abstimmung gebracht werden. Wer im Nationalrats- oder Ständeratssaal steht, bekommt ein greifbares Gefühl dafür, wie aus einer Idee ein Gesetz wird.
Während der Session (viermal jährlich) kann man von der Tribüne aus den Debatten der 246 Parlamentsmitglieder zuschauen – man sieht die eigenen gewählten Vertreter bei der Arbeit, spürt die Atmosphäre und versteht die politische Kultur der Schweiz viel besser als aus der Zeitung.
Wer den Ort gesehen hat, an dem über Milliardenbudgets, Gesetze und die Zukunft des Landes verhandelt wird, entwickelt oft ein stärkeres Bewusstsein für die eigene Stimme – und dafür, dass Demokratie kein Automatismus ist, sondern aktiv gelebt werden muss, denn Demokratie ist nicht eine Selbstverständlichkeit, sondern muss tagtäglich verteidigt werden.
Schon unterwegs traf man auf viele bekannte Gesichter; beim Apéro in der «Vue des Alpes» stiessen Ständerätin Marianne Binder und Nationalrat Reto Nause dazu und befeuerten die politischen Diskussionen weiter mit ihren Voten. Das war Staatskundeunterricht vom Feinsten!
